Beckenendlage? Natürlich.

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„Keinen Kaiserschnitt? Bist du verrückt?! Das würde ich mir gut überlegen!“

„Ach, es ist ja noch Zeit, das Baby dreht sich bestimmt noch. Ich drück die Daumen!“

Es war die 28. Schwangerschaftswoche, als ich erfahren habe, dass unser Mädchen mit den Füßen unten liegt und sich noch nicht gedreht hat. Mit Hilfe meiner Hebamme habe ich ihr Köpfchen über meinem Bauchnabel fühlen können. Und von da an war mir klar: das wird sich nicht mehr ändern. Ich wusste, dass unser Mädchen mit dem Popo zuerst auf die Welt kommen würde, auch wenn mein Umfeld anderer Meinung war. Und obwohl ich das intuitiv wusste, wollte ich eine natürliche Geburt erleben.


Mein Name ist Anne, ich bin 32 Jahre alt und seit wenigen Wochen Mutter einer wunderschönen kleinen Tochter. Außerhalb dessen bin ich Journalistin und PR-Frau und kenne die Autorin dieses Blogs, Luise, aus der Schulzeit. Sie bat mich, über meine natürliche Steißgeburt zu berichten und ich versuche dem gern nachzukommen. Natürlich war ich nicht immer so selbstsicher, was die Geburt angeht. Allerdings war die wichtigste Lektion, die ich in der Schwangerschaft gelernt habe, auf meine Intuition zu hören und nicht auf Forenbeiträge im Internet oder scheinbar „gut gemeinte Ratschläge“ zweifelhafter Bekannter. Daher nahm ich mir vor, mich auch in dieser Frage, ob mein Kind per natürlicher Steißgeburt zur Welt kommt, auf mein Bauchgefühl zu verlassen.

Kurz nach diesem Entschluss erfuhren wir, dass einer der wenigen Ärzte in Hessen, der sozusagen Experte in Sachen Beckenendlage ist, in genau das Krankenhaus kommen würde, in dem ich entbinden wollte. Und nach einem Beratungsgespräch mit diesem Arzt, der uns eine unglaubliche Sicherheit vermittelte, war klar: Ella braucht keinen Kaiserschnitt, wie sonst in diesem Fall üblich. Auch mein Freund war zu diesem Zeitpunkt deutlich beruhigter und fasste Vertrauen in den Arzt, sein Team und uns alle.

Als Ende November die Wehen einsetzten und wir zum Krankenhaus fuhren, waren alle Storchenparkplätze belegt. Im Kreißsaal bestätigte sich unsere Vorahnung: dort herrschte reger Betrieb, neun Geburten fanden an diesem Tag statt. Am CTG angeschlossen und ohne freien Kreißsaal in Sicht, platze meineFruchtblase und von da an ging es ziemlich schnell. Die Wehen kamen immer stärker, der Muttermund öffnete sich in einem rasanten Tempo. Als ich dann endlich in den Kreißsaal durfte, dauerte es nur zweieinhalb Stunden, bis Ella da war. Neben den höllischen Schmerzen, war mein größtes Problem, dass unser geliebter Arzt an diesem Sonntagabend nicht in Sicht war. Außerdem kam der Anästhesist für die PDA, ohne die unser Arzt – Originalaussage –„auf keinen Fall eine natürliche Steißgeburt“ mache, schlichtweg nicht.

Die Hebammen im Kreißsaal machten einen wahnsinnig tollen Job und waren trotz des immensen Trubels an meiner Seite. Genau wie mein Freund, der als Ruhepol und Säule bei mir war. Aber ich wusste, ich brauche (scheinbar) diese PDA und vor allem diesen Arzt! Allerdings waren alle OPs voll und der einzige Anästhesist im Hause bei eben diesen. So dass die Hebamme nach zwei Stunden Dauerwehen zu mir kam und meinte: „Es gibt keine PDA. Sie müssen da jetzt so durch“.

Nach einer gefühlten Ewigkeit hörte ich die Tür aufgehen und eine ruhige Männerstimme „Guten Abend“ sagen. Der Arzt war da! Ab dem Moment wusste ich, alles wird gut und alles in mir wurde ganz ruhig. Man drehte mich auf den Rücken und nach zwei Presswehen war Ella geboren. Mit dem Popo zuerst, ohne PDA, nur durch ihre und meine Kraft. Und mit der Unterstützung meines Freundes, der Hebammen und des Arztes. Sie wog zarte 2.444 g. Die Natur hat alles so eingerichtet, dass eine Steißgeburt möglich war. Ich hatte nicht mal eine Geburtsverletzung.

Das Gefühl danach war unbeschreiblich. Ich glaubte, zu schweben und empfand so unendlich viel Glück. Ich bin so dankbar für dieses positive Geburtserlebnis und kann nur allen Frauen, die vor der Frage stehen, ob sie ein Kind in Beckenendlage auf natürlichem Wege gebären oder nicht, raten: Wenn die Voraussetzungen stimmen, also euer Becken breit und das Kind leicht genug sind, ihr Hebammen und Ärzte habt, denen ihr vertraut und die die entsprechende Ausbildung und Erfahrung mitbringen, dann wagt es. Es lohnt sich!❤

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